DODO SCHNEIDER - ZÜRICH 4

Wie hast Du zu diesem Beruf gefunden?

Ich habe Textildesign gelernt und später für Räume, Bühnen & Kunstrealisationen gearbeitet. Farbe war dabei immer mein Lieblingsthema, aber nie Mittelpunkt meiner Aufgaben. Für den Diplom-Lehrgang am Haus der Farbe entschied ich mich aus Leidenschaft zur Farbe. Architektur ist ja unmittelbar & täglich erfahrbar und interessiert mich sehr. Heute habe ich eine eigene Werkstatt für Farbkonzepte.    

Wie entwickelst du ein Farbkonzept? Woran orientierst du dich?

Es sind viele Kräfte im Spiel: Die architektonische Absicht ist ein Teil davon. Städtebauliche Richtlinien, die Geschichte eines Ortes, die Atmosphäre – und schliesslich auch Haltungen zu Ökonomie und Ökologie. Ein Farbkonzept hat untrennbar mit der Materialisierung zu tun und dient ja auch dazu, alle Kräfte unter einen Hut zu bringen und ästhetisch zu vereinbaren.

Ich entwickle dazu eine Haltung, die den Grundstein legt und die ich fundiert begründe, aber auch gern diskutiere. Beim Entwerfen mische ich immer von Hand, stelle grossflächige Farbkarten her – das ist ein sehr direkter Weg über die unmittelbare  Wahrnehmung von Farbwerten, Farbmengen und Kombinationen.

Mit welchen Hindernissen kämpfst du als Farbgestalterin?

Der Beruf ist noch jung und der eigentliche Nutzen ist vielen unbekannt. Mehr Offenheit und Neugier von Seiten der Architektur für eine Zusammenarbeit wäre wünschenswert.  Es gibt viel mehr als die vorgefertigten Paletten der Farbhersteller und gemeinsam könnte man das Potential viel besser nutzen. So wie die Landschaftsarchitektur heute als elementarer Bestandteil anerkannt ist, würde ich mir die Bauaufgabe „Farbe und Material“ auch wünschen. Zum Beispiel der Einbezug bei Wettbewerben.    

Goldocker war die Wandfarbe des Jahres 2016: Was hältst du von solchen Ankündigungen und wie gehst du in der Praxis damit um?

Im Entwurf arbeite ich ohne NCS und ohne Trendvorgaben, auch völlig unabhängig von Produzenten. Die Farben ergeben sich durchs Eintauchen am Ort des Geschehens.

Zu Moden und Trends: vielleicht eröffnen sich neue Sichtweisen. Das ist an sich nichts Schlechtes. Diese zu übernehmen ergibt aber oft nicht mehr als eine trendige Hülle, die mit dem Wesen des Baus wenig zu tun hat. NCS ist vor allem ein sehr wichtiges Instrument für die Übermittlung von Farbwerten.      


Projekt 1: Ensemble Burgstrasse

Ort: Burgstr. 16-18, 8037 Zürich

Bauherr: Zobrist & Räbsamen

Fotografin: kolor

Denkmalschutz: Matthias Köhler

Sanierung eines geschützten Ensembles aus 2 Baumeisterhäusern mit Chalet. Die Entstehungsgeschichte sowie die vielen farblichen Bezüge im eng bebauten Kontext setzen den Rahmen bei der Farbwahl: ein Stück im dichten Farbenteppich des Quartiers zu werden, ohne die gängigen Farbkombinationen zu wiederholen, war die Intention der Farbgestaltung. Die Ausführung mit hochwertigen Originalmaterialien bedingt eine enge Zusammenarbeit mit dem ausführenden Handwerk. Ein Projekt, das sich über Jahre erstreckt und im sich immer weiter wandelnden Stadtgebiet ein flexibles Konzept verlangt.    

Projekt 2: Neuling im Dorfkern

Ort: Schulhausstr. Ebertswil ZH
Bauherr: Frick Architektur

Fotografin: kolor

 

Struktur-Putz und versteckte Farbigkeit:

Im Dorfkern entstehen zwei Einfamilienhäuser mit - für den Ort - neuer Formensprache. Aufgabe ist es, die Aussengestaltung der Neubauten eng an die gewachsene, ländliche Nachbarschaft anzugliedern und dabei der modernen Architektursprache gerecht zu werden. Gewählt wird ein Dickschichtputz mit Struktur und zweifarbigem Anstrich, der zusätzliche optische Tiefe erzeugt: Eine Verwandtschaft zu den Materialien der Umgebung aufweist, die ein haptisches Erlebnis bieten, wird erzeugt. Die Farbigkeit fügt sich ganz still ins Dorfbild ein. Die verhaltenen Buntfarben in den Entrées sind aus der Flora des Ortes abgeleitet.    

Projekt 3: Arztpraxis

Ort: Schloss Wartensee, Rorschacherberg

Fotografin: luz, Lucrezia Zanetti

 

Aussenraum und Innenraum fliessen hier ineinander: Berge, Wiesen im Süden sowie See und Himmel im Norden sind die ständigen Mitbewohner. Die Räume sind Spiegel der natürlichen Lichtereignisse. Um die Materialien zu erhalten, müssen alte Beschichtungen sorgfältig abgetragen und durch solche ersetzt werden, die gut schützen, Renovationen vereinfachen und eine schöne Alterung zulassen. Unter Berücksichtigung der architektonischen Struktur bestimmen zwei Grautöne und Weisstöne in präzisen Nuancen und Lasuren die Räume. Gefärbtes Öl dient als Holzschutz. Die wechselnden Naturerscheinungen und Lichtfarben können sich entfalten. Einzig im Entrée wird ein farbstarker Akzent gesetzt. Ein Farbfeld im Sturz des Oberlichts wirft mit dem Lauf des Tageslichts zarte Lichtspiele an die weissen Wände. 


Weitere Informationen zu Dodo Schneider: kolor.ch